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Was ist Tahtib?

September 28, 2017

mein Interview mit Yousef - November 2016

 

Wann wird eigentlich Tahtib gespielt?

Es gibt eine Reihe von Anlässen, an denen Tahtib gespielt wird. Zum Beispiel einfach nur als Zeitvertreib im Dorf an den Abenden oder Nachmittagen, bei Moulids oder Hochzeitsparties. Der Bräutigam lädt dann alle Spieler aus dem Dorf und aus den umliegenden Dörfern ein, um am Spiel teilzunehmen. Normalerweise beginnt ein Tahtib-Wettkampf gegen 4 Uhr nachmittags und dauert um die 3 Stunden. Dann legen die Spieler eine kleine Pause ein, essen vielleicht gemeinsam zu Abend und spielen danach weiter bis 1 oder 2 Uhr nachts.

 

Ist Tahtib ein Kampfsport?

Nein, Tahtib ist kein Kampfsport (in den Ursprüngen war er das). Tahtib ist ein Spiel. Nichts desto trotz helfen die beim Tahtib gelernten Bewegungen und Fähigkeiten, sich auch im täglichen Leben verteidigen zu können, wenn man von jemand geschlagen oder angegriffen wird. Tahtib wird auch deshalb als Spiel bezeichnet, weil es strikt verboten ist, seinen Gegner zu verletzen oder mit dem Stock zu berühren.

 

Tahtib ist ein freundschaftliches, auf gegenseitigem Respekt basierendes Spiel. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, dass ein Spieler von Anfang an die wichtigsten Regeln kennenlernt. Ist z.B. dein Gegner älter als du, dann wirst du ihm den Vortritt lassen um das Spiel zu eröffnen – als Zeichen des Respekt vor seinem Alter. Und wie lautet das Zeichen, um das Spiel zu beginnen? Der Spieler hält seinen Stock gerade (vertikal) in die Höhe.

Spielst du dagegen mit einem Anfänger oder mit einem Gegner, der schwächer ist als du, dann solltest du ihn während des Spiels unterstützen und lehren (und ihn nicht vor dem Publikum vorführen und blamieren, damit du als der Bessere da stehst).

 

Aus welchem Material besteht der Stock?

Der Stock ist aus Bambus (arab. kharazaan خرازان). Bambus wächst zwar auch in Ägypten, aber die meisten Tahtib-Spieler bevorzugen Bambus aus Malta. Sie sagen, dieser Bambus ist von besserer Qualität und besser geeignet für Tahtib.

 

 

Welches sind die wichtigsten Grundlagen, die ein Anfänger lernen sollte?

Die allererste Regel, die man als Anfänger im Tahtib lernen sollte, ist, den Stock sehr fest in der Hand zu halten. Das wird gleich von Anfang an mit bestimmten Übungen trainiert. Hältst du den Stock nicht richtig fest, dann kann ihn dir dein Gegner aus der Hand schlagen – und schon hast du das Spiel verloren.

 

Ein anderer wichtiger Tipp: immer, wenn du deinen Stock mit beiden Händen hältst (egal ob über dem Kopf oder vor oder seitlich am Körper), fasse den Stock mit der linken Hand immer von unten (Handrücken nach unten). Greife den Stock NIEMALS von oben (mit der linken Hand) – sonst kann dein Gegner dich sehr leicht verletzen. Auch in dem Fall hättest du das Spiel sofort verloren (und gehst zudem mit einer gebrochenen Hand nach hause!)

 

Der Körper – sowohl der Oberkörper als auch die Beine – sollten sich immer in Symbiose und in einer fließenden Bewegung mit dem Stock bewegen. Der Körper ist nicht steif und unbeweglich. Die Schritte folgen den Armbewegungen und gleichzeitig bewegst du dich in einem Kreis – meistens. Wenn es dann aber zu „Clou-Moment“ kommt, dann bleiben die Spieler stehen und versuchen, im Knien, im Sitzen, am Boden liegend ihre „Tore“ zu verteidigen und gleichzeitig ein ungeschütztes Tor beim Gegner zu finden und ein paar Punkte zu gewinnen.

 

 

Wie gewinnt man das Spiel?

Die „Tore“ habe ich ja schon angesprochen – Tore oder Türen sind z.B der Kopf, das Kiefer, die Rippen/Brustkorb, die Hand, der Bauch ect. Triffst du deinen Gegner (nur angedeutet – OHNE ihn mit dem Stock zu berühren) an einem dieser Tore, hast du das Spiel gewonnen. Es gibt auch einen Schiedsrichter bei jedem Wettkampf/Spiel, der alles unter Kontrolle behält und auch mal zwei erhitzte Gemüter wieder zur Ruhe bringt und natürlich ist er derjenige, der die Punkte zählt, um den Gewinner zu bestimmen.

Triffst du deinen Gegner am „Kopf-Tor“ oder am Kiefer, gibt es 80 Punkte. Hier am Kopf gibt es die höchste Punktzahl – denn ein Schlag auf den Kopf könnte auch tödlich sein. Für den Brustkorb oder die Rippen z.B. gibt es „nur“ 60 Punkte – denn wenn du hier getroffen wirst, kannst du ja wieder gesund werden – du gehst höchstens mit ein paar gebrochenen Rippen ins Krankenhaus!) Für die Tore an den Beinen gibt es 40 Punkte.

 

Was die Punktzahlen betrifft, möchte ich eine persönliche Anmerkung machen.

Ich habe in den Jahren mehrere Tahtibspieler interviewt und einige sprachen z.B. von 10 oder 100 Punkten für die Tore am Kopf und 1 Punkt für alle anderen. Diese Informationen hier oben für die 80-60-40 Punkteverteilung sind von Yousef, langjähriger Tahtibspieler und Trainer. Ich muss sagen, bisher ist er derjenige von allen, der die vollständigsten Informationen geliefert hat.... oder ich bin mittlerweile besser geworden im „Nachhaken“ *g*.... wie dem auch sei...

Es wurde mir auch gesagt, dass es im Grunde genommen keine festen Regeln gibt zur Punkteverteilung. Spieler und Richter können vor Spielbeginn einfach vereinbaren, wie die Punkte gezählt werden sollen. Was nichts an der Tatsache ändert, dass für den Kopf oder das Kiefer immer die höchsten Punktezahlen verwendet werden.

 

Zurück zum Spiel....

Bei jedem Spiel ist ein Schiedsrichter anwesend. Sein Job ist es, den Überblick zu behalten über die Spieler und das Spiel, sodass er am Ende den Gewinner bestimmen kann. Er zählt die Punkte und – falls nötig – stoppt er das Spiel, wenn zwei Gegner zu hitzig oder sogar zornig werden und womöglich richtig kämpfen wollen. Dies kann vorkommen, wenn z.B. einer den anderen versehentlich mit dem Stock berührt/schlägt. Vielleicht hatten die beiden eh schon Streitigkeiten miteinander und dann würde das Spiel in dem Fall eskalieren. Hier muss der Schiedsrichter eingreifen und wird die beiden Streithähne stoppen.

 

Wer darf wann spielen? Es gibt keine fixe vorbestimmte Reihenfolge. Die Männer stehen am Rand der Spielfläche oder einfach gleich direkt neben den beiden Spielern und warten bis sie an der Reihe sind. (ein Tahtib Spiel dauert ja nicht lange.... das sind Sekunden oder maximal 1-2 Minuten). Sind die beiden fertig, nehmen sich die nächsten beiden Männer den Stock und fangen an zu spielen.

 

Auch hierzu hab ich unterschiedliche Informationen. Jemand sagte mir, dass das Spiel „seine eigenen Stöcke“ hat. Der Schiedsrichter bringt 2 Stöcke und diese werden immer weiter gereicht von einem Spieler zum nächsten.

Während Yousef mir sagte, dass das so nicht stimmt. Laut seiner Angaben kann ein Spieler auch seinen eigenen Stock zum Spielen benutzen. Aus einem einfachen und logischen Grund. So wie jeder Mann/Mensch verschieden ist – einer ist groß einer klein, einer dick einer dünn, einer stark einer schwach – müssen auch die Stöcke verschieden sein. Je nach seiner Konstitution, Kraft und seinen Fähigkeiten, benötigt ein Spieler einen anderen Stock, um während des Spiels sein bestmöglichstes geben zu können. Und um zu gewährleisten, dass das Spiel auch gleichwertig ist.

 

Folgt die Musik den Bewegungen der Spieler?

Yousef erzählt mir, dass er – als Spieler – der Musik der Mizmar zuhört und seine Bewegungen und sein Spiel der Musik folgen.

Jeder Schritt – jede Bewegung hat einen Namen bzw. eine Bedeutung. So z.B. hält der Spieler, seinen Stock mit gestrecktem Arm über den Kopf in die Höhe, um anzukündigen, dass er das Spiel beginnt. Danach (normalerweise aber nicht zwingend) wird mit dem „salam“ - also dem Gruß – weitergemacht. Dem Gruß an den Gegner – als wenn du zu ihm sagen würdest – Hallo, wie geht’s dir?“

Eine andere Bewegung heißt z.B. „musalafa“ (es gibt dann noch ein Video dazu) und der move, um seinen Gegner auszutricksen, wird „musharala“ genannt. Der „Trick“ ist der, den Gegner abzulenken. So wird z.b. mit dem Stock mehr auf die Beine des Gegener fokussiert, sodass er seinen Unterkörper schützen muss. In der Zwischenzeit bleibt sein Oberkörper/Kopf ungeschützt und vergessen....und schon kann der andere Spieler ihn am „Kopf-Tor“ erwischen und hat das Spiel gewonnen ;-)

 

Tahtib ist einfach nur faszinierend! Vor allem, wenn man sich durch diese Informationen ein bisschen besser auskennt und gewisse Dinge während eines Spiels selbst erkennen kann! Sehr spannend!!!

 

 

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