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Auf Brautschau in Oberägypten 1

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Variante "böser Bube"

Ich möchte euch jetzt erzählen, wie so eine Brautschau in Oberägypten abläuft. In anderen Regionen Ägyptens kann es aber durchaus anders funktionieren!

Wenn ich nur daran denke, dass es schon Unterschiede gibt in der Denkweise, im Verhalten, in den Wertvorstellungen der Menschen zwischen Luxor Ost und Luxor West – und die sind nur von ein paar Kilometern Wasser getrennt. Da könnt ihr euch vorstellen, wie groß dann erst die Unterschiede sein können zwischen dem traditionalistischen Oberägypten und Kairo zum Beispiel!

 

Aber zurück zur Brautschau! Teilen wir mal einfachheitshalber die Männer in zwei Kategorien ein – die guten und die bösen ;-)

Die guten Jungs sind jene, die aus einer guten, ehrbahren Familie stammen, die einen tollen Job haben, ihren Vater und ihre Familie respektieren, eine gute Schulbildung haben ect. und die bösen Jungs, sind halt genau das Gegenteil. Sie sind womöglich frech, etwas ungebildet, tun und lassen was sie wollen, haben vielleicht sogar Probleme mit dem Gesetz usw.

Stellen wir uns also vor, so ein “böser Junge” sieht ein Mädchen auf der Straßen gehen, das ihm gefällt. Was macht er nun, um deren Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?

 

Als erstes wird er ihr gaaaanz unauffällig (denkste!!!) folgen und ihr die üblichen Komplimente machen wie “ya 3asal, ya muza, ya qamar, ya gamil”... die habt ihr sicher schon alle mal gehört.... z.B. 3asal heißt ja wortwörtlich Honig – sie ist also so süß wie Honig oder ya qamar – schön wie der Mond.

Dann wird er weiter Süßholz raspeln und ihr sagen, dass er sich ja soooo gerne mit ihr unterhalten möchte, dass sie ihm so gut gefällt und er sie gerne heiraten will und schließlich wird er sie auch nach ihrer Telefonnummer fragen.

Ein seriöses Mädchen wird diesen “Kerl” natürlich geflissentlich ignorieren, denn es ist nicht erlaubt, einfach so auf der Straße mit diesem fremden Mann zu sprechen. ABER wir wären ja nicht in Ägypten, wenn es nicht für alles eine Lösung geben würde ;-)

Das Mädchen wird kein Wort sagen, aber wenn es lächelt, dann bedeutet das, dass der junge Mann ein paar Punkte gelandet hat und das Mädchen bereit wäre, ihn näher kennenzulernen.

 

Natürllich geht das Mädchen immer weiter und wird auf keinen Fall auf der Straße stehen bleiben – das ginge absolut nicht! Aber wie kommt er jetzt an das Mädchen ran?

Unser “böser Junge” schreibt also seine Telefonnummer auf ein Blatt Papier, läuft vor dem Mädchen her und lässt das Papier vor ihr auf die Straße fallen....

Nun hängt alles von ihr ab! Nimmt sie das Papier mit der Nummer, dann hat der Junge Glück gehabt und im besten aller Fälle wird sie ihn anrufen.

 

Aber erinnert euch daran, dass dies nicht die traditionelle Weise ist, um eine Verlobte zu finden!

Nehmen wir also an, das Mädchen hat den jungen Mann angerufen. Dann werden sie erst mal die längste Zeit telefonieren und stundenlang am Telefon quatschen, um sich ein bisschen kennenzulernen.

Früher oder später werden sie vielleicht auch einen Weg finden, um sich irgendwo heimlich zu treffen. Natürlich weit weit weg von ihrem Dorf und ihrer Familie, denn wie ihr wisst, ist es strengstens verboten, sich mit jemandem vom anderen Geschlecht zu treffen, wenn man nicht verheiratet ist.

Aber wehe, wenn sie jemand im flagranti erwischen würde! Das wäre vor allem für das Mädchen ein Riesenproblem. Höchstwahrscheinlich bekäme sie für einige Wochen Hausarrest. Während die Konsequenzen für den Jungen praktisch unerheblich sein werden. Leider gelten auch hier für Jungs und Mädchen unterschiedliche Maßstäbe....

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